Wenn ich Menschen höre, die sarkastisch, zynisch oder spöttisch sind, kommt mir sofort der Hintergrund dieser drei Begriffe in den Sinn. Alle drei haben nichts Erhebendes an sich.
Wo kommt das Wort „Zynismus“ her?
Zynismus kommt von „kyon“, dem griechischen Wort für Hund. Die „Kyniker“ waren Angehörige einer antiken griechischen Philosophenschule, die im 5. Jahrhundert v. Chr. von Antisthenes, einem Schüler des Sokrates, begründet wurde. Ihre Lehren basierten auf radikaler Bedürfnislosigkeit und der Ablehnung gesellschaftlicher Konventionen, um durch innere Unabhängigkeit Glückseligkeit zu erlangen.
Die Kyniker lebten bewusst in Armut, schliefen auf der Straße oder in Gefässen, trugen einfache Gewänder und lebten von Almosen. Gleichzeitig traten sie in der Öffentlichkeit durch skandalöses Verhalten auf und prangerten mit dem Mittel der Satire die bestehenden sozialen und politischen Normen an.
„Zynisch“ bezieht sich auf die als „hündisch“ betrachtete Lebensweise der Kyniker: Einerseits auf der Strasse lebend, andererseits mit Worten bissig über geltende Vorstellungen und Lebensformen herfallend.
Tierisch geht es mit dem Begriff „Sarkasmus“ weiter
Sarkasmus kommt vom griechischen Verb „sarkazein“ und bedeutet „zerfleischen“. Joachim Schaffer-Suchomel schreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Du bist, was du sagst“ (siehe unten) sinngemäss, dass mit Sarkasmus „auf die eigene innere Zerrissenheit das Zerfleischen anderer folgt“.
Mir ist auf einer Reise durch Griechenland einmal ein Rudel Strassenhunde begegnet. Ich hatte Angst, sie erschienen mir gefährlich. An diese Hunde denke ich, wenn jemand vor Sarkasmus „trieft“…
Und schliesslich der Spott…
Wenn Wölfe oder wilde Hunde mit den Zähnen fletschen und ihre Beute zerfleischen, sieht man die Spucke von den Lefzen triefen.
Spott ist etymologisch verwandt mit „speien“ oder „speuzen“. Spotte ich über jemanden, spucke ich ihn gewissermassen verbal an. Spotten ist herablassend und erniedrigend. Und auch das ist nur ein Spiegel: Wenn ich über jemanden spotte, schleudere ich ihm meinen eigenen „inneren Dreck“ entgegen.
Diese drei Beispiele zeigen auf sehr plastische Weise, dass unsere sprachliche Ausdrucksweise immer ein Abbild unserer innerer Haltung, Sichtweise und Verfassung ist.
Auch hier gilt jedoch: „Wie innen, so aussen - wie aussen, so innen“. Meide ich Sarkasmus, Zynismus und Spott, dann hat das eine entspannende, bereinigende Wirkung nach innen. Und Menschen werden sich in meiner Gegenwart deutlich wohler fühlen, als wenn ich mit spöttischen, zynischen und sarkastischen Bemerkungen um mich werfe.
Buchtipp: Joachim Schaffer-Suchomel und Krebs, Klaus (2015): Du bist, was du sagst. Was unsere Sprache über unsere Lebenseinstellungen verrät. mvg Verlag, München

