Unsere Eltern prägen uns über alle Maßen. (Bei diesem Wort sehe auch ich als Schweizerin mich veranlasst, es mit ß zu schreiben, da die „Massen“ genau das Gegenteil bezeichnen…)
Sie prägen uns mit ihrer Frequenz, ihren Verhaltensweisen, ihren Regeln, ihrem Einsatz von Liebe und Aufmerksamkeit, ihrem Denken und ihren Glaubenssätzen.
Letztere kommen meist in Form von Redewendungen zum Ausdruck, die sie oft benutzen oder benutzten.
Mein Vater Constant
Ich denke da sofort an meinen Vater Constant oder „Stanti“, der diesen Namen lebte: Er war „konstant“, zuverlässig, integer – immer da, wenn wir ihn brauchten.
Ein wunderbarer, intelligenter Mann mit dem vielzitierten weichen Kern in harter Schale. Er muss früh gelernt haben, dass es sich „nicht ziemt“, wenn ein Mann Gefühle zeigt. Denn diese Gefühle suchte er zeitlebens zu verstecken und im Zaum zu halten. Und doch war er immer der erste, dem bei einer sportlichen Siegerehrung am Fernsehen die Tränen herunterliefen, wenn die Schweizer Hymne gespielt wurde.
Er starb 2011 an den Folgen einer missglückten Herzbehandlung, bei der seine verkalkten Blutgefässe mit Stents („Stanti“ …) hätten geweitet werden sollen. Er, der tieffühlende Mann, hatte ein Leben lang versucht, sich härter zu machen, als er war. Seine Arterien waren diesem inneren Befehl gefolgt und waren über die Jahre verkalkt.
Doch sein Geist war bis zur letzten Sekunde klar. „So klar wie Wurstsuppe“ – dazu kommen wir noch…
Jeder Mensch braucht seine eigenen Erfahrungen
Wir waren bei den Redewendungen: Drei kommen mir in den Sinn, die mein Vater oft und gerne geäussert hat.
Die erste ist „Jeder muss mit seiner eigenen Haut durch die Gerbe“.
Mein Vater wurde 1928 geboren und war schon 44 Jahre alt, als ich – sein erstes Kind – auf die Welt kam. Doch für seinen Jahrgang war er immer ein sehr liberaler Vater.
Er hätte mir und meinem Bruder zweifellos gerne die eine oder andere Erfahrung ersparen oder abnehmen wollen – und das auch getan, hätte er es gekonnt. Doch auch, wenn er uns wie jeder Vater ab und zu Ratschläge erteilte, so war er sich stets bewusst, dass jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen machen muss – und dass das auch für seine Kinder galt.
Meisterhafte Fähigkeiten brauchen Zeit, sich zu entwickeln
Eine zweite typische Redewendung meines Vaters war „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Auch mit dieser Aussage kann ich mich heute einverstanden erklären. Genauso, wie aus meiner Sicht ein „gut Ding Weile haben“ muss, glaube ich auch, dass es Zeit, Geduld und Übung braucht, bis sich eine Fähigkeit zu einer meisterhaften Fähigkeit entwickelt.
Dann ist da noch „Das ist so klar wie eine Wurstsuppe!“. Diese Redewendung mag einer tiefen Weisheit entbehren. Doch habe ich sie so oft gehört, dass auch sie bei mir hängen geblieben ist.
Dabei ist mir im Grunde schleierhaft, was an einer Wurstsuppe klar sein soll. In meiner Vorstellung handelt es sich dabei eher um eine trübe Brühe. „So klar wie eine Glasscheibe“ wäre viel zutreffender.
Egal: Wenn etwas sonnenklar ist (auch dieses Wort wirft bei mir Fragezeichen auf, merke ich gerade), dann ist es einfach „so klar wie Wurstsuppe“.
Nach diesen Ausführungen bewegt mich natürlich die Frage, welche Redewendungen du oft von deinem Vater, deiner Mutter oder anderen engen Bezugspersonen gehört hast? Waren diese selbstermächtigend oder limitierend? Brachten oder bringen diese Aussprüche ein Wesensmerkmal dieses dir nahestehenden Menschen zum Ausdruck?
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